FS Arzneimittelindustrie e.V.

Dr. Holger Diener - Geschäftsführer
Daniela von Arnim - Assistentin

Grolmanstr. 44-45
10623 Berlin

d.arnim@fsa-pharma.de
Tel.: 030 88728-1700
Fax: 030 88728-1705

Freiwillige Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie e.V.

Interview

Wie denken Ärzte über Transparenz und wie gehen sie im Berufsalltag mit ihr um? Warum haben sich Ärzte dazu entschlossen, ihre Daten veröffentlichen zu lassen? Welche Reaktionen gab es nach der Veröffentlichung? Der FSA hat mit zwei Ärzten gesprochen und von ihnen Antworten auf diese und weitere Fragen bekommen.

Der FSA im Gespräch mit ...

... Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, renommierter Neurologe aus Essen

Warum arbeiten Sie mit der Pharma-Industrie zusammen?

Weil ich an der Durchführung von großen Studien zur Verbesserung der Therapie interessiert bin.

Warum haben Sie sich für die individuelle Veröffentlichung Ihrer Daten entschieden?

Weil ich nichts zu verbergen habe. Alle Einkünfte, die ich erziele, beruhen auf Verträgen mit den entsprechenden Firmen, die durch unser Justiziariat geprüft und gegengezeichnet sind, und allen formalen Kriterien entsprechen.

Sehen Sie in ihrer Arbeit für die Pharma-Industrie einen Interessenkonflikt für Ihre Arbeit als Wissenschaftler?

Also es gibt sicher einen Interessenkonflikt, wenn man Therapiestudien durchführt, die ein positives Ergebnis haben. Das prägt natürlich die Einstellung zu einer bestimmten Therapie oder einem bestimmten Medikament, dem kann man sich, glaube ich, eigentlich gar nicht entziehen. Für mich ist das bisher noch kein Problem gewesen, da es ja zur Meinungsbildung neutrale Institutionen gibt wie beispielsweise das NICE, The National Institute for Health and Care Excellence in UK und Leitlinien nationaler und Europäischer Fachgesellschaften. Für meine eigene Meinungsbildung lese ich mir diese natürlich immer durch, wenn es dort neue Empfehlungen gibt. Es gibt sehr viele Leitlinien zu den Gebieten, auf denen ich arbeite, aus den USA, Kanada und Australien, an denen ich mich dann orientiere.

Wofür haben Sie die Gelder, die Sie von der Pharmaindustrie erhielten, verwendet?

Das kann man ja auf der Webpage „Spiegel Online“ nachlesen. Ich hab letztes Jahr 265.000 Euro am Jahresende ans Klinikum gezahlt zur Finanzierung von Stellen im Westdeutschen Kopfschmerzzentrum, im Schwindelzentrum und für eine Wissenschaftsstelle in meiner eigenen Klinik.

Haben Sie mit negativen Reaktionen auf Ihre Veröffentlichung aus Ihrem näheren Umfeld gerechnet?

Ich sage mal so, dadurch, wie es dargestellt wurde, ja. Es wurde ja in der ersten Darstellung vom Spiegel impliziert, dass das Bestechungsgelder der Industrie sind. Und es wurde ja auch nicht danach gefragt, was mit dem Geld passiert ist und wofür es eigentlich verwendet wird. Weiterhin wird unterstellt, dass die Zuwendungen für wissenschaftlich unsinnige Beobachtungsstudien bezahlt werden. Solche Studien gibt es nicht mehr. Es gibt ja von den Zulassungsbehörden vorgeschriebene Sicherheitsregister nach Zulassung von Medikamenten – das hat nichts mehr mit solchen Beobachtungsstudien zu tun, sondern das sind regulatorische Vorgaben. Und wenn Unternehmen heute eigene Beobachtungsstudien durchführen, dann mit wissenschaftlicher Fragestellung.

 

 

… PD Dr. Dr. Mathias Rauchhaus, medizinischer Beratungsunternehmer aus Potsdam

Warum ist Transparenz aus Ihrer Sicht wichtig?

Transparenz war für mich bereits als junger Assistenzarzt sehr wichtig. Da ich von Beginn an sehr wissenschaftlich orientiert war, erkannte ich bald, dass falls ich nicht zu 100 Prozent transparent sei, es mich angreifbar machen wird. Deswegen hatte ich schon immer ein ganz starkes Bewusstsein für die Wichtigkeit der Offenlegung aller Unterstützungen, da es vor späteren Angriffen schützt, verbindlich und authentisch macht. Das gilt für die Publikation von Forschungsergebnissen, das gilt aber auch für Dienstleistungen, die ich gegenüber einer Pharma-Industrie erbringe. Wenn ich mir dort nichts vorzuwerfen habe und nach bestem Wissen und Gewissen handle, dann kann ich auch transparent sein. Andernfalls hat es für mich immer einen gewissen unlauteren Aspekt.

Welche Rolle spielt Transparenz für Sie persönlich?

In meiner Selbstständigkeit als medizinischer Berater verwende ich das über meine klinischen Jahre akquirierte Wissen, um sowohl den Patienten als auch der Industrie zu helfen. Ich habe zwar ein bewusstes Interesse, Geld zu verdienen, aber ich habe keinen Konflikt, weil ich zur Zeit weder ein Präparat befürworte, noch Patienten direkt behandle. Ich gebe lediglich eine Beratungsdienstleistung ab, die im Sinne von Studienorganisationen, Studienpublikationen, Projektmanagement, Qualitätsmanagement, Innovationsmanagement sein kann und helfe somit der Industrie bei bestimmten Fragestellungen. Ich bin absolut transparent, weil ich keine Gewissenskonflikte habe und alles offen darstellen kann. Ich handle stets nach der Devise „nach bestem Wissen und Gewissen“, weswegen ich auch jedes noch so lukrative aber unlautere Angebot einer Studienevaluation ablehne. Dadurch kann ich mir bei jeder meiner Einschätzungen absolut sicher sein, dass ich mich nicht angreifbar mache und somit längerfristig meine Vertrauenswürdigkeit bewahre. Aus diesem Grund ist für mich Transparenz der Ursprung für eine überzeugende und seriöse wissenschaftliche Arbeit.

Welche Vorteile bietet Transparenz für Sie?

Transparenz macht mich weniger angreifbar und glaubwürdiger. Dies kann ich vielleicht auch an einem Beispiel besser erklären. Wenn ich eine wissenschaftliche Studie initiiere, dann muss ich von Anfang an alle Interessen berücksichtigen. Diese Interessen beziehen sich auch auf das Ergebnis nach der Studie in Richtung Publikation. Wenn ich im Vorhinein alles klar, eindeutig und transparent gestalte, spare ich mir im Verlauf dieser gesamten Studie, über mehrere Jahre, viel Ärger aufgrund von Missverständnissen, Unzufriedenheit, Neid etc. Eine transparente, klare Planung erspart enorme Energieverluste und trägt zur Vertrauensbildung bei. Eine ganz klar geregelte Kommunikation zwischen Arzt und Unternehmen ist wichtig, denn sie zieht klare Grenzen und definiert die Zusammenarbeit.

Wie sehen Sie die generellen Entwicklungen zu diesem Thema?

Zwar habe ich die Hochzeiten der Pharma-Reisen und anderer extravaganter Geschenke nicht mehr miterlebt, jedoch ist trotzdem eine deutliche Veränderung im Umgang von Pharma-Unternehmen mit Ärzten wahrzunehmen. Früher ist es manchmal noch vorgekommen, dass vielleicht mal ein Buch oder ähnliches verschickt wurde. Jetzt jedoch findet dies überhaupt nicht mehr statt. Wohingegen ich persönlich dabei keinen Interessenskonflikt sehe, denn das Buch ist ja nicht zwangsläufig von einer Pharma-Industrie geschrieben, sondern eine wissenschaftliche Arbeit, die dann über wissenschaftliche Herausgeber publiziert wird. In den letzten Jahrzehnten passierte es, dass sich die Pharma-Industrie immer mehr in die Kongressorganisation eingebracht hatte, was vielen Ärzten die Möglichkeit bot, ihre Ergebnisse in einer großen, gut organisierten Runde zu präsentieren. Mit dem Antikorruptionsgesetz und Patientenrechtegesetz sehe ich jedoch eine große Gefahr für die wissenschaftlichen Veranstaltungen. Keine Klinik und keine Praxis und keine staatliche Institution ist im Moment in der Lage, die Kosten für so eine Veranstaltung aufzubringen. Jedoch sind diese Kongresse sehr wichtig für den Austausch und somit der Weiterbildung der Mediziner. Eine weitere Veränderung im Rahmen der Vorträge ist die strikte Offenlegung der Interessenkonflikte. Seit mehreren Jahren müssen wir auf wissenschaftlichen Kongressen, wenn wir Vorträge halten oder Poster schreiben, klar legen, wer der Sponsor ist, welche finanzielle Unterstützung es gab. Der Inhalt der zweiten Folie bei Vorträgen als auch bei Publikationen muss immer der Interessenskonflikt sein. Detailliert wird dargestellt, von wem welche Art von Fördermitteln erhalten wurde. Sowohl Institutionen als auch Personen werden aufgelistet. Zusätzlich haben viele Unternehmen bei ihren Verträgen eine Transparenz-Verpflichtung mit aufgenommen, sodass gar keine unklaren Zusammenarbeiten stattfinden können.

Worauf lässt sich die Veränderung der Transparenz zurückführen?

Generell sind alle Geschenke, ob klein oder groß, in Form von Geldern, Einladungen oder anderem immer eine Vorteilsnahme, welche den Arzt zum Verschreiben bestimmter Präparate beeinflussen kann. Um diese Unterstellungen aus dem Weg zu räumen, sowohl von Seiten der Unternehmen als auch der Ärzte, wurden diese Maßnahmen eingestellt. Obwohl eine gesetzliche Regelung erst jetzt in Kraft getreten ist, war eine deutliche Reduzierung bereits über die letzten Jahre wahrzunehmen. Auch viele der netten, jedoch klinisch orientierten Diskussionsrunden, welche von Pharma-Unternehmen gesponsert wurden, sind extrem zurückgegangen.

 

 

FSA-Transparenzkodex

Umfassende Informationen zum FSA-Transparenzkodex finden Sie unter www.pharma-transparenz.de.

Neue Berichterstattung zu § 21 FSA-Kodex Fachkreise online
Transparenzkodex: Das zweite Jahr

Newsletter

Alle Newsletter-Ausgaben im Überblick.

Um den Newsletter zu abonnieren, registrieren Sie sich über unser Formular.

Kodexverstöße melden

Nutzen Sie unser Beanstandungsformular, um Kodexverstöße zu melden - auch anonym.