FS Arzneimittelindustrie e.V.

Dr. Holger Diener - Geschäftsführer
Daniela von Arnim - Assistentin

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10623 Berlin

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Tel.: 030 88728-1700
Fax: 030 88728-1705

Freiwillige Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie e.V.

Interview

3 Fragen zur Transparenz an Peter Schaar, Dr. med. Thomas Zimmermann und Prof. Dr. Wolf-Dieter Ludwig

 

1. Warum ist Transparenz aus Ihrer Sicht wichtig?

Peter Schaar: Transparenz trägt dazu bei, dass sich die Akteure besser orientieren können. Sie kann dazu beitragen, gegenseitiges Vertrauen zu bilden.

Dr. med. Thomas Zimmermann: Nehmen Sie zum Beispiel die Selbstregulierung. Diese entlastet die Politik, aber nur, wenn positive Ergebnisse sichtbar werden. Wenn nicht, wird ein Eingreifen der Politik
notwendig und gefordert. Dann muss die Politik diesen Vorwürfen nachgehen und für Transparenz und Aufklärung sorgen – nur so kann die Öffentlichkeit geschützt werden.

Prof. Dr. Wolf-Dieter Ludwig: Transparenz, Aufschluss über die Finanzierung klinischer Forschung und deren Quellen sowie die Deklaration von Interessenkonflikten sind wesentliche Voraussetzungen für die Wahrung der wissenschaftlichen Integrität und das Vertrauen der Öffentlichkeit in unabhängige medizinische Forschung.

 2. Wie sehen Sie die generelle Entwicklung zu diesem Thema?

Peter Schaar: Transparenz ist ein populäres Thema. Technologie erleichtert die Vermittlung von und den Zugang zu Informationen. Diese Entwicklung erscheint aus heutiger Sicht unumkehrbar.

Dr. med. Thomas Zimmermann: Die Entwicklung sehe ich positiv – dadurch, dass der Markt begrenzt ist, entsteht oft ein Eigenleben und Fehlanreize werden geschaffen, die dann zum Beispiel zum Leidwesen der Patienten gehen. Durch Transparenz werden Interessenskonflikte offengelegt und jeder kann sich sein eigenes Bild machen. Ein positives Beispiel ist hierfür die Eigeninitiative des FSA.

Prof. Dr. Wolf-Dieter Ludwig: Wir wissen heute aus (inter-)nationalen Studien, dass Interessenkonflikte etwa durch finanzielle Beziehungen zu pharmazeutischen Unternehmen und Herstellern von Medizinprodukten die Gefahr erhöhen, dass es zu einer verzerrten Planung und Darstellung der  Ergebnisse klinischer Forschung kommt. Das hat eindeutig Auswirkungen auf die Qualität der medizinischen Versorgung, aber auch die Kosten in unserem Gesundheitssystem. Deshalb ist eine größere Transparenz hinsichtlich der Finanzierung von klinischer Forschung, Fort- und Weiterbildung sowie Leitlinien erforderlich. Es ist erfreulich, dass in den letzten Jahren die Deklaration von Interessenkonflikten in den meisten medizinischen Gremien verpflichtend eingeführt wurde. Verbesserungsbedarf besteht jedoch noch bei den Regeln, wie konkret mit Interessenkonflikten klinischer Forschung, Fort- und Weiterbildung sowie Leitlinien umgegangen werden sollte.

 3. Wann könnte zu viel Transparenz schaden?

Peter Schaar: Aus Datenschutzsicht ist es kritisch zu beurteilen, wenn immer mehr persönliche Informationen über den Einzelnen zusammengetragen werden, insbesondere wenn die Informationssammlung und Nutzung ohne Kontrolle des Betroffenen stattfindet.

Dr. med. Thomas Zimmermann: Wenn erkennbar würde, dass aufgrund der Auflagen die Ärzteschaft nicht mehr bereit ist, Studien durchzuführen. Dabei sind beispielsweise gerade Arzneimittelstudien in erster Linie positiv für den Patienten, denn nur so kann die Anwendungsbreite des Präparats in der täglichen Anwendung hinterfragt und dokumentiert werden. Daneben stellt sich das Problem der „Überinformation“, wenn es für die Rezipienten schwieriger wird, aus der immer größeren Informationsmenge die für sie relevanten Informationen zu finden und zu verstehen.

Prof. Dr. Wolf-Dieter Ludwig: Die Veröffentlichung der von pharmazeutischen Unternehmen oder Herstellern von Medizinprodukten an Mediziner gezahlten Honorare, ohne genaue Angaben, wofür diese Honorare bezahlt wurden, könnte beispielsweise dazu führen, dass die Öffentlichkeit das Vertrauen in die moralische Grundhaltung bzw. wissenschaftliche Integrität von Ärzten verliert. Außerdem könnten sich Ärzte zu Unrecht „an den Pranger“ gestellt fühlen und möglicherweise deshalb keine korrekten Angaben über ihre finanziellen Interessenkonflikte machen. Prinzipiell ist jedoch Transparenz und Aufschluss über die Finanzierung und deren Quellen bei der Zusammenarbeit zwischen Ärzteschaft und Industrie dringend erforderlich, auch um korruptiven Verstrickungen vorzubeugen und eine Fehlallokation begrenzter Ressourcen in unserem Gesundheitssystem zu verhindern.

 

 

FSA-Transparenzkodex

Umfassende Informationen zum FSA-Transparenzkodex finden Sie unter www.pharma-transparenz.de.

Anti-Korruptionstag: Der FSA steht für klare Regeln und Transparenz
Neue Berichterstattung zu §§ 15a Abs. 1 Nr. 1, 22 FSA-Kodex Fachkreise online

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