FS Arzneimittelindustrie e.V.

Dr. Holger Diener - Geschäftsführer
Daniela von Arnim - Assistentin

Grolmanstr. 44-45
10623 Berlin

d.arnim@fsa-pharma.de
Tel.: 030 88728-1700
Fax: 030 88728-1705

Freiwillige Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie e.V.

Interview

Der FSA im Gespräch mit ...

...Dr. Johannes Bruns, Generalsekretär der Deutschen Krebsgesellschaft e. V.

Warum arbeiten Sie mit der Pharmaindustrie zusammen?

Die absolute Zahl der Neuerkrankungen beträgt derzeit knapp 500.000. Geschätzte 4 Mio. Menschen leben in Deutschland mit einer Krebserkrankung. Das sind keine kleinen Zahlen und die absolute Anzahl der Betroffenen wird aufgrund der demographischen Entwicklung in unserem Land auch noch weiter steigen. Für die Behandlung von Krebspatienten ist es unter anderem wichtig, dass neue, hochwirksame und sichere Medikamente und Verfahren entwickelt bzw. bestehende Optionen weiterentwickelt werden. Die pharmazeutische Industrie hat dabei eine große Verantwortung übernommen. Deshalb unterstützen und fördern wir Kooperationen mit der biomedizinischen Industrie zum Wohl der Patienten, und wir informieren unsere Mitglieder über Innovationen und den Stand der Forschung. Nicht zusammenzuarbeiten ist angesichts der Herausforderungen, die Krebs für unser Gesundheitswesen bereithält, keine Option.

Wo sehen Sie die Vorteile und vielleicht sogar Notwendigkeit von Transparenz?

Das Problembewusstsein für Interessenkonflikte und deren Risiken ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Häufig spielt in der Öffentlichkeit das Verhältnis zwischen Ärzten und Pharmaindustrie eine Rolle. Dieses Verhältnis wird oft unter dem Verdacht der Einflussnahme gesehen. Dass jeder und jede Seite eigene Interessen hat – der Arzt, die Krankenkasse, die Klinik, das Pharmaunternehmen –, ist aber zunächst legitim und selbstverständlich. Diese zum Teil divergierenden Interessen müssen wir in einem Entscheidungsprozess zu etwas Gutem zusammenbringen. Dafür brauchen wir Regelungen, Verfahren, Methoden - und eben Transparenz, damit nachvollziehbar ist, wo ein Interessenskonflikt zu verzerrtem Handeln führen kann und wie damit umzugehen ist.

Wie sehen Sie die generellen Entwicklungen zum Thema Transparenz?

Prinzipiell ist Transparenz ein wichtiger Schritt – in den USA haben 90 Prozent der 150 Medical Schools auf ihrer Webseite unter dem Begriff Conflict of Interest Regulierungen, Erläuterungen und Trainingsmaterial aufgeführt. Aber Transparenz sollte kein Selbstzweck sein. In meinen Augen fehlen hierzulande einheitliche Beurteilungs- und auch Wertestandards, an denen sich alle orientieren können: Wann und wo wird ein Interessenskonflikt problematisch? Ab wann ist ein wissenschaftlicher Autor befangen? Wie können wir eine Einflussnahme vermeiden? Welche Gegenmaßnahmen sind zu ergreifen, damit für die Patienten kein Schaden entsteht? Hier brauchen wir eine Diskussion, die nicht nur die Risiken durch die Interessenskonflikte der Industrie, sondern auch durch die der anderen Stakeholder im Gesundheitswesen berücksichtigt.orientiere.

Hat Pharmatransparenz im Laufe der letzten Jahre in Deutschland zugenommen? Worauf lässt sich das Ihrer Meinung nach zurückführen?

Durch die Gründung des FSA e.V. (www.fsa-pharma.de) hat die Diskussion in Deutschland Auftrieb erhalten. Der Verein wurde 2004 mit dem Ziel gegründet, durch eine freiwillige Selbstkontrolle der Pharmaindustrie die Natur und den Umfang der Kooperationen zwischen Pharmaunternehmen und Ärzten, Fachkreisangehörigen und Patientenorganisationen transparenter zu machen. Die FSA Mitglieder verpflichten sich deshalb zur Einhaltung bestimmter Transparenz-Kodizes. Ende Juni 2016 legten die FSA-Mitglieder erstmals offen, welche Leistungen sie an Ärzte, Fachkreisangehörige und medizinische Organisationen in Deutschland im Jahr 2015 gezahlt haben. Aber: Der FSA ist eine freiwillige Initiative, und schon allein aus Datenschutzgründen muss jeder Arzt gefragt werden, ob er zustimmt, dass die ihn betreffenden Zuwendungen öffentlich gemacht werden. Das heißt, wer nicht zustimmt, taucht in dieser Transparenzinitiative auch gar nicht auf. Darüber hinaus ist eine größere Sorgfalt bei der Darstellung der Informationen von Nöten.

Haben Sie in den letzten Jahren persönliche Erfahrungen gemacht, die auf Veränderungen in der Pharmatransparenz basieren?

Ein ärztlicher Kollege sagte kürzlich, er möchte nicht, dass seine Kinder mit dem Argument, der Vater sei von der Pharmaindustrie gekauft, in der Schule gemobbt werden. Das ist sicher sehr zugespitzt formuliert. Aber ich glaube, optimale Transparenz ist nur mit einer verpflichtenden Lösung machbar, die für alle Berufsgruppen und Funktionsträger gilt, und zwar mit vergleichbarer persönlicher und öffentlicher Verantwortung. Dies immer verbunden mit dem Schutz vor ungerechtfertigter Diffamierung. Dazu muss die Zuwendung der Leistung gegenübergestellt sein. Sonst sind diejenigen, die freiwillig der Offenlegung von Zuwendungen zustimmen, am Ende die Leidtragenden.

Der FSA

Umfassende Informationen über die „Freiwillige Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie e. V.“ (FSA) finden Sie unter

www.fsa-pharma.de.

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